inoffizielles Themenforum für die ÖDP

Normale Version: Der Westen und der religiös begr. Terror
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Auf einer Webseite, die ich gelegentlich lese, fand ich diesen Artikel, den ich als Grundlage für eine Auseinandersetzung mit dem heutigen Terrorismus interessant finde. Der Artikels befasst sich im Wesentlichen mit dem Aufruf deutscher Zeitungsverleger in der FAZ, der hier auseinander genommen wird. Thema ist auch mangelnder Vielfalt in unserer Presselandschaft.

Bei diesem Artikel meine ich, dass die Ansprüche an den Westen mal wieder überhöht sind. Nobody is perfect. Dabei beziehe ich mich darauf, dass der Westen eigentlich ursächlich für den Terrorismus mitverantwortlich sei; dabei beziehe ich mich darauf, dass der Autor ein Problem damit hat, dass der "Aufruf deutscher Zeitungsverleger" das nicht als Selbstkritik thematisiert.

Aber da ist noch etwas anderes. Man kann, man sollte auch klar unterscheiden, was (Re)aktionen aufgrund von z.B. wirtschaftlichen Nöten sind (eine Ebene als Motiv für Terrorismus) oder (Re)aktionen aufgrund von religiösen Vorstellungen. Daran, dass dies nicht vergegenwärtigt wird, krankt der Artikel.

Vor einigen Jahren habe ich den Film "let's make money" gesehen. Ich war beeindruckt von den Aussagen eines Baumwollbauern aus Äthiopien, der eindringlich sagte, "wir werden kommen. Ihr könnt Mauern um Europa machen. Aber wir werden trotzdem kommen". So der Tenor seiner Aussage, die nach seinen Aussagen für den Fall zuträfe, wenn die USA auf Dauer weiterhin ihre Baumwollproduzenten subventioniert.
Die heutige Flüchtlingswelle ist primär bedingt durch wirtschaftliche Not, und da hat der Westen zu einem gehörigen Teil Mitschuld. Dieser Aspekt wurde auch in der Pegida-Diskussion in diesem Forum beleuchtet.

Zum Islamismus muss man m.E. klar sagen, dass im Islam etwas ist, dass dieser gewalttätige Extremismus begünstigt. Und damit bin ich beim zweiten Punkt. Der Chefredakteur von Cicero spricht da m.E. Klartext, wenn er Politiker dafür kritisiert, dass sie verharmlosend sagen: "Terroranschläge haben nichts mit dem Islam zu tun.":

Zitat:Deshalb nein: Ich kann und will diese Beschwichtigungen nicht mehr hören. Seit anderthalb Jahrzehnten zieht sich eine Blutspur um die Welt. Im Namen keiner einzigen anderen Religion ist seit den Anschlägen auf das World Trade Center derart bestialisch gemordet worden. Nur im Namen des Islam werden diese barbarischen Taten begangen. Zuletzt in Sydney in einem Café, vorher in England, wo zwei Attentäter einen Soldaten auf offener Straße mit einem Schlachtbeil regelrecht zerhackt haben. Die grauenhaften sadistischen Massaker des so genannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak, der Terroranschlag auf Busse und die U-Bahn in London: Das alles hat man im Kopf, dazu die Attentäter, die „Allah ist groß!“ rufen, wenn Sie den Finger am Abzug haben. Und gleichzeitig echot der Satz im Kopf: „Terroranschläge haben nichts mit dem Islam zu tun.“ Man fasst es nicht. Man fasst es einfach nicht.

Er fazitiert: "Mit dem Islam stimmt etwas nicht"
http://www.cicero.de/weltbuehne/attentat...slam/58706
Ich verweise auch auf die m.E. differenzierte Diskussion zu Islam/Islamismus.

Ein fransösischer Kolumnist, der seit Jahren in Holland wohnt, und eine regelmäßige Kolumne schreibt, hat anlässlich der Paris-Anschläge einen ausführlichen Beitrag geschrieben. Ich übersetze einige Fetzen:
Zu Charlie Hebdo:
Zitat:Gerichtsprozesse am laufenden Band, das schon. Wegen grobe Verletzungen, das Beleidigen wichtiger Personen oder das Kränken von [christen]Gläubigen. [...] Aber als Leser durfte man uneingeschränkt darüber lachen. Der Glaube? Einfach zerreißen. Aber in dieser guten, alten Zeit ging es nur um Päpste, Bischöfe und Priestern. Einfach drauf los hacken, sie schießen ohnehin nicht zurück! Charlie-Mitarbeiter François Cavanna schrieb einmal das Buch 'Die Schriften, die Abenteuer Gottes und der kleine Jesus', in das er sich fragte, wie man bei einem Erzengel Analsex macht.
Aber die Zeiten ändern sich, und am Vormittag des 7. Januar starb eine überholte Illusion in die Nähe der Place de la Bastille. Man kan die Ränder [Grenzen] des Islams nicht 'aufsuchen' wie man dies mit dem Christentum tat.

Zu unserer Haltung:
Zitat:Man braucht keine Angst zu haben, zu unterstreichen, dass viele Werte dieser nicht heimischen Religion nicht mit der Demokratie wie wir sie kennen vereinbar ist. Dass es eine Wahlmöglichkeit gibt: Anpassung oder Ablehnung. Man braucht niemand zu schonen. Zuallererst nicht den Propheten, der vor langer Zeit seine Ideologie auf Wellen von Gewalt gegründet hat, und sich gar nicht soviel von seinen heutigen Erben unterscheidet. Das ist nicht etwa 'beleidigen', sondern benennen und vergegenwärtigen. Und sogar verspotten ist erlaubt. So funktioniert unsere wunderbare offene Gesellschaft und unsere Demokratie.
http://www.trouw.nl/tr/nl/33627/Aanslag-...niet.dhtml

Nebenbei: ich brauche nicht zu sagen, dass Jesus höchstens mal Tische bei einem Treff von Kaufleuten gewaltsam umgeworfen hat.


Im Artikel findet sich auch einen Vergleich zu allen Ziviltoten durch Drohnen. Der Autor wundert dich, dass es da keine Schweigeminuten z.B. von Seiten der UNO gegeben haben soll (ich meine, hier und da hat es sowas gegeben - aber eher bei heftigeren Kollataralschäden). Diese Fälle kann man nur dann direkt vergleichen, wenn diese getöteten Zivilisten dort absichtlich getötet wurden. Da sollte man davon ausgehen, dass dies nicht der Fall ist. Auch bei Kriegshandlungen mit z.B. Bomben aus Fliegern gibt es Kollateralschäden oder Irrtümer.
Ich denke, dass es schon eine ganz andere Qualität hat, wenn Leute ganz gezielt ermordet werden, und dann auch noch gerade wegen relativ harmloser Äußerungen.
Spielt es eine Rolle, ob die zivilen Opfer von Drohnenangriffen unbeabsichtigt umkamen? Wenn ich mit 200 km /h durch einen geschlossenen Ort rase, kann ich auch nicht um Strafminderung bitten, weil ich nicht vorhatte, jemand zu schaden kommen zu lassen. Das da ausgerechnet eine Schulklasse stand, als der Wagen die Fahrbahn verließ, das war doch nicht geplant. 

Und dann sind die Kriegsgründe erlogen. Und alleine die USA haben mehr Opfer in den Kriegen gehabt, als bei der Zerstörung des World Trade Centers. Und diese Opfer waren alles die kleinen Leute, die von den hohen Herren ins Feld geschickt werden. 

Das alles ekelt mich so an.

Das es den USA nicht um Schonung der Zivilisten geht - und auch nicht der eigenen Soldaten, die die Gebiete besetzen müssen - zeigt der Einsatz von Uranmunition! 

Westliche Wertegemeinschaft? Da singt Reinhard Mei richtig: "Soviel gute alte werte, da wird mir echt schlecht!" 

Der Westen betreibt eben plutoktatischen Terror und das mit viel mehr Opfern, als es die Anschläge der Islamisten gegen den Westen verursacht haben. Beim verschosenen Uran wird es auch in 100 Jahren noch neue Opfer geben!

Deshalb kann ich zur NATO nur die Offenbarung des Johannes zitieren:

"Tritt aus aus ihr mein Volk, dass ihr nicht mitschuldig werdet....."
(12.01.2015 02:54)Felix Staratschek schrieb: [ -> ]Spielt es eine Rolle, ob die zivilen Opfer von Drohnenangriffen unbeabsichtigt umkamen? Wenn ich mit 200 km /h durch einen geschlossenen Ort rase, kann ich auch nicht um Strafminderung bitten, weil ich nicht vorhatte, jemand zu schaden kommen zu lassen. Das da ausgerechnet eine Schulklasse stand, als der Wagen die Fahrbahn verließ, das war doch nicht geplant. 

Der Vergleich passt nicht. Sie können das Abschießen von Waffen aus Drohnen doch nicht mit einer Verkehrsordnungswidrigkeit bei 200 km/h vergleichen? Es sei denn, Sie betrachten diesen Abschuss bereits als "Verkehrswidrigkeit". Darüber lässt sich natürlich trefflich streiten, aber dann bitte mit dem Begriff "kriegerischer Angriff", nicht "Drohne". Man landet dann ganz schnell bei komplexen Fragestellungen, die z.B. pazifistischer Einstellungen betreffen, z.B. Pazifismus: z.B. Gauck vs. Käßmann, hier im Forum diskutiert.
Im Falle von Paris sind unschuldige Menschen das Ziel von Terroristen gewesen (wobei ich noch einmal betone: der Westen trägt Mitschuld an der Verbreitung von Terrorismus).

Heute schlägt Frau Wagenknecht in die gleiche Kerbe:
Zitat:Wenn eine vom Westen gesteuerte Drohne eine unschuldige arabische oder afghanische Familie auslöscht, ist das ein genauso verabscheuenswürdiges Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris, und es sollte uns mit der gleichen Betroffenheit und dem gleichen Entsetzen erfüllen.

Sie tut, als ob diese unschuldige Menschen mit Absicht getroffen würden.
Oppermann von der SPD reagiert mit "eine unsägliche Entgleisung". Das ist mir wiederum zu drastisch. Aber das liegt auch daran, dass er nicht die Drohnen erwähnt, sondern die deutschen Soldaten.
http://www.tagesschau.de/inland/wagenknecht-101.html
Zitat:Sie tut, als ob diese unschuldige Menschen mit Absicht getroffen würden.
Naja, der Tod dieser Menschen wird mindestens in Kauf genommen (soweit ohne Unterstellungen). Bei unseren Einsätzen und Waffenlieferungen wird der Tod sehr vieler Menschen in Kauf genommen. Das kommt der These von Sahra Wagenknecht wieder nahe.

Öko-FJS

AMERIKA - Lateinamerika ist gefährlich für Menschenrechtsaktivisten
(Terror klappt auch ohne Muslime Smile


Bogotà (Fides) – Lateinamerika gehört zu den gefährlichsten Regionen für Menschenrechtsaktivisten: viele bezahlten ihr Engagement für das Landrecht, die Umwelt, Indios oder Homosexuelle bereits mit dem Leben. Dies berichtet die Organisation Front Line Defenders.

Wie aus einer Verlautbarung der Organisation hervorgeht, kamen in den ersten 11 Monaten des Jahres 2015 weltweit insgesamt 156 Menschenrechtskämpfer gewaltsam ums Leben oder starben in Haft. Dies bedeutet einen Anstieg um 15% im Vergleich zum Vorjahr. Über die Hälfte starben in Lateinamerika und allein in Kolumbien wurden 54 Aktivisten ermordet.

"Der Schutz der Menschenrechte ist in Lateinamerika auch heute noch extrem gefährlich und Menschenrechtsbewegungen sowie friedliche Proteste werden zunehmend kriminalisiert. Extreme Gewaltbereitschaft ist weiterhin ein besorgniserregendes Problem“, heißt es in dem Bericht der Organisation.

In Lateinamerika sind vor allem Aktivisten gefährdet die sich für Landrechte und den Schutz der Indios vor den Auswirkungen von großen Bergwerksprojekten oder der Waldrodung in Zentralamerika, Kolumbien, Mexiko, Peru und Ecuador einsetzen.
In Brasilien wurden insbesondere Aktivisten bedroht, die für die Rechte der Ka'apor und Guarani-Kaiowá eintreten und Opfer von Unternehmen wurden, die illegal im Amazonasgebiet tätig sind oder von Bauern, die Anspruch auf die ursprünglich von Indios besiedelten Gebiete erheben. (CE) (Fides, 11/01/2016)

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