inoffizielles Themenforum für die ÖDP

Normale Version: Staatschef von Ecuador kritisiert Gender Mainstreaming
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Zitat:Z.B. gehört laut und vernehmlich ausgesprochen und debattiert, dass die derzeitigen Kriege Männerkriege sind und warum das so ist?!

Das ist eine statistisch wie inhaltlich stark fragwürdige Aussage.

Man muss ohnehin unterscheiden zwischen denen,
-  die Kriege und kriegesähnliche Aktionen anordnen und eigentlich verantworten (Politiker beiderlei Geschlechts)
- die Kriege durchführen und durchführen müssen (überwiegend Männer, aber nicht nur)
- die durch Kriege betroffen sind (wohl ausgewogen, statistisch wohl überwiegend Frauen)

Ich erinnere allein an Margret Thatcher und den Falkland-Krieg. Abgesehen davon wären "Frauenkriege" keinen Deut besser.

Ute Plass

Mir geht es nicht um pauschale Schuldzuweisungen an Männer, so wie es mir auch nicht erhellend scheint, wenn das verschwendersiche Konsumverhalten bestimmter Frauen als Erklärung für Gewalt und Unfrieden in der Welt angeführt wird. Mich bewegt ernsthaft die Frage, welche Bilder und Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit) vorherrschen und welche davon mit dazu beitragen, konflikthafte Auseinandersetzungen mit Gewalt und Krieg zu beantworten?
Diese (sicherlich andere als einfache) Fragestellung geht uns alle, sprich Männer wie Frauen an, denn wir alle werden in gesellschaftliche Verhältnisse mit bestimmten Macht- und Denk-Strukturen hineingeboren, die oft zerstörerisch auf das eigene Selbst wie die Mitwelt einwirken. Es gilt doch diese zu erkennen, und wo notwendig mit dafür Sorge zu tragen, dass der Umgang mit Macht in den Dienst einer friedfertigen Welt gestellt wird. Interessant dazu: http://www.antjeschrupp.de/macht-und-pol...t-dasselbe

Wenn 'Gender-Mainstreaming' bedeutet, "....die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen,..." (Wikipedia), dann heißt das doch nicht mehr und nicht weniger, dass es *um das gute Leben aller Menschen* geht.
Das Bemühen darum betrachte ich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und ich bin überzeugt, dass wenn sich Frauen und Männer dieser Aufgabe stellen, wir damit auch dem Frieden in der Welt näher kommen können. Smile

Ute Plass

@Eric Manneschmidts Einlassungen finde ich wichtig und weiterführender, da diese sich nicht allein auf "die Familie" (wer und was bestimmt, was Familie ist?) fokussieren, sondern das Wohl aller Menschen in den Blick nimmt. Diese Sichtweise wird durch folgenden Beitrag mit gestützt: http://antjeschrupp.com/2014/05/13/famil...in-mensch/
Aus dem Beitrag von Antje Schrupp:
Zitat:Die aktuellen Debatten über die Care-Revolution haben genau an diesem Punkt ihre Stärke: Sie brechen endlich die Gegenüberstellung von Familie/Einrichtung, privat/professionell, bezahlt/ehrenamtlich in diesem Zusammenhang auf. Es ist nicht wichtig, ob Care-Arbeit in der Familie oder außerhalb der Familie getan wird, sondern es ist wichtig, dass sie gut getan wird, und zwar gut sowohl aus Perspektive derjenigen, die sie tun, als auch aus der Perspektive derjenigen für die sie getan wird.

Und die Politik soll nicht mehr länger darüber nachdenken, was für eine Familienpolitik sie machen soll, am besten hört sie ganz damit auf. Sie soll darüber nachdenken, welche Rahmenbedingungen nötig sind, damit Care-Arbeit endlich den Platz in der Volkswirtschaft bekommt, der ihr von ihrer Bedeutung her zusteht.

Grundsätzlich Zustimmung. Dazu kommt, dass dies ein sehr breites Spektrum abdeckt, inklusive des Komplexes der Pflege bzw. professionelle Zuwendung für die ältere Generation, was angesichts von Pflegenotstand durch Geldmangel und exzessiver Effizienzwahn brandaktuell ist.
Zu #12: 
Zitat:Diese (sicherlich andere als einfache) Fragestellung geht uns alle, sprich Männer wie Frauen an, denn wir alle werden in gesellschaftliche Verhältnisse mit bestimmten Macht- und Denk-Strukturen hineingeboren, die oft zerstörerisch auf das eigene Selbst wie die Mitwelt einwirken

Und das mit den Macht- und Denkstrukturen, das wirkt bis ins vierte Geschlecht hinein. So frei interpretiert aus dem alten Testament, wo es heißt, dass die Sünde der Väter noch vier Generationen später durchwirken. Für meine Begriffe muss man das nicht zu eng betrachten, sondern breit als Gegebenheit interpretieren, ohne eine Art Strafabsicht Gottes.

Es deutet schon an, dass der Mensch sich kaum von Einflüssen, die eine negative Auswirkung haben, lösen kann.
Nicht nur deshalb bin ich skeptisch, ob wir in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung Fortschritt in Sachen Frieden erzielen können. Generell gibt es für mich keinen Anlass, dem sog. Fortschrittsglauben, wie sich das seit der Aufklärung herausbildete, an zu hängen.
Zitat:Es deutet schon an, dass der Mensch sich kaum von Einflüssen, die eine negative Auswirkung haben, lösen kann.


Das ist mir zu pauschal und zu willkürlich.
 Das gilt nach gleicher Logik auch für Einflüsse mit positiven Auswirkungen. Denn genau da wird es doch willkürlich und bedarf erst mal einiger Definitionen.  Was sind denn gute oder schlechte Auswirkungen? Das sind doch willkürlich gewählte Einteilungen je nach Weltbild des Betrachters.

Wenn wir zu der Grundfrage dieses Themenstranges, also Geschlechterrollen, zurückkehren reduziert sich das auf die Frage, wieviel in menschlichem Verhalten biologisch determiniert ist und wieviel durch Erziehung und Sozialisation und bei letzterem auf die Frage, ob/wie/wie schnell das änderbar ist.

Ich möchte zu bedenken geben, dass sehr viel im menschlichen Verhalten simpel hormonell bestimmt ist und es auch noch einige im Gehirn verwurzelte achaisch-biologische Mechanismen gibt, die wiederum zu schwer beeinflussbaren hormonellen Abläufen führen. Mit Hormonen meine ich nicht nur die bekannten Sexualhormone. Es gibt wohl genug Studien aus Medizin und Sozialwissenschaften, dass es ein breites Spektrum "typisch" männlichen und weiblichen Verhaltens mit einer  Schnittmenge  in der individuellen Ausprägung gibt, das auch messbare hormonelle Korrelationen hat

Nimmt man das alles zusammen, reduziert sich Gender Mainstreaming auf den Versuch, durch staatlich gesteuerte kognitive Vorgänge den vorhandenen erziehungs- und sozialisationserzeugten Rollenausprägungen entgegenzu- wirken und sie im Sinne eines anderen politisch-ideologisch definierten Rollenbildes umzuprägen.  Das  Gegenstück sehe ich in der Werbung, die auf der Basis bewussten oder unbewussten Rollenverständnisses sehr stark existierende geschlechterspezifischen Vorstellungen ausnutzt und Verhalten manipuliert.

Wenn man sich durch Gender Mainstreaming (GM) der oft kulturell bestimmten mehr oder minder engen geschlechterspezifischen Zwangsjacke bewusst wird, in die  man individuell zunächst einmal hineinwächst und  gesteckt wird, finde ich Gender Mainstreaming als individuelle Horizonterweiterung sinnvoll. Wenn es zu einer kollektiven staatlichen Umerziehungsmaßnahme mit Sanktionsandrohung wird, ist GM aus meiner Sicht inakzeptabel.

Letztlich ist es jenseits von GM eine interessante Grundsatz frage, wieweit ein Staat in der erzwungenen Erziehung und Zwangsprägung seiner Angehörigen überhaupt gehen darf.

Gast

@rjmaris - "Es deutet schon an, dass der Mensch sich kaum von Einflüssen, die eine negative Auswirkung haben, lösen kann.
Nicht nur deshalb bin ich skeptisch, ob wir in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung Fortschritt in Sachen Frieden erzielen können. Generell gibt es für mich keinen Anlass, dem sog. Fortschrittsglauben, wie sich das seit der Aufklärung herausbildete, an zu hängen."

Hm - das klingt sehr pessimistisch - auf was gründest du denn die Hoffnung, dass sich destruktive Verhältnisse zum Besseren wenden können?
Bezüglich Fortschrittsglauben ist ja die Frage, was genau wir unter
Fortschritt verstehen?
Schließe mich da @Michael M(ittelstädter) an, dass diese Thematik nicht pauschal, sondern sehr differenziert zu betrachten ist.

Ute Plass

@rjmaris - Kann dem ebenfalls sehr zustimmen, was Du aus dem
Antje-Schrupp-Beitrag zitierst. Smile
(der an Dich gerichtete Gastbeitrag ist von mir - habe vergessen den Benutzernamen einzutragen)

@Michael M(ittelstädt) - "Wenn man sich durch Gender Mainstreaming (GM) der oft kulturell bestimmten mehr oder minder engen geschlechterspezifischen Zwangsjacke bewusst wird, in die man individuell zunächst einmal hineinwächst und gesteckt wird, finde ich Gender Mainstreaming als individuelle Horizonterweiterung sinnvoll. Wenn es zu einer kollektiven staatlichen Umerziehungsmaßnahme mit Sanktionsandrohung wird, ist GM aus meiner Sicht inakzeptabel." -
Ja, sehe ich auch so. Smile
Zu Nr. 17:

Den Beitrag von Michael finde ich auch schön differenziert geschrieben und den pflichte ich bei. Was diese negativen/positiven Erfahrungsauswirkungen betrifft: Ob dies mehr oder weniger symmetrisch ist, ist nicht ohne Weiteres feststellbar. Ansonsten ist die Idee der Persistenz bestimmter Verhaltensmuster an sich bekannt.

Bezüglich meines Pessimismus: stimmt, da komme ich nicht drum herum. Ich denke insbesondere auch ans Klima. Es wird hier deutlich, wie sehr der Mensch erst dann reagiert, wenn es zu Unfällen kommt. Musterbeispiel Verkehrsunfall gefährliche Kreuzung. Erst nach dem Unfall wird eine Kreuzung gemeinhin verbessert, nicht davor, obwohl der Gefahrenpotenzial bekannt ist. Aber in Sachen Klima wäre die Reaktion entschieden zu spät, Supertankereffekt eben.

Fortschrittsglaube: Warum sollte der Mensch im Laufe der Evolution besser werden? Dafür gibt es keine zwingende oder logische Gründe. Ich bin sicher: wenn es eines Tages Ressourcenkonflikte gibt, wird die Ellbogenmentalität obenauf sein.
Das sieht man auch an ganz einfache Beispiele in bestimmten Konstellationen: Zum Beispiel bei der diesjährigen Landesgartenschau in NRW. Da gab es eine Bimmelbahn. Die Wartezeit bis zur nächsten "Bahn" betrug deutlich über 20 Minuten. Wenn bei der Haltestelle deutlich mehr Leute warteten als in die Bimmelbahn hinein passten, galt ganz klar beobachtbar das Recht des Stärkeren, weil die lange Wartezeit bekannt war. Dieses Drängeln war möglich, weil an jeder Stelle der Bimmelbahn ein Einstieg vorhanden war.
Das sind Augenblicke, die einem ein Fortschrittsglaube als abwegig betrachten lässt.

Ute Plass

@rjmaris - ich kann den von Dir geschilderten Pessimismus sehr gut nachvollziehen, engagiere ich mich doch schon seit gut drei Jahrzehnten in politisch-sozialen Zusammenhängen ( Frieden-Frauen-Öko-Bewegung). Nicht nur mir ist darüber deutlich geworden, dass destruktive gesellschaftliche Verhältnisse nicht förderlich sind zur Ausbildung des Humanen im Menschen - im Gegenteil. Vermutlich stimmen wir überein in der Auffassung, dass es nicht "den neuen Menschen" braucht, sondern neue, lebensfördernde gesellschaftliche Verhältnisse, und ich gehe davon aus, dass dies auch ein wesentliches Anliegen der ÖDP ist?
Dass jedeR einzelne Mensch ein fehlbares Wesen ist, darf nicht davon ablenken, dass wir alle ganz bestimmten Machtverhältnissen ausgesetzt sind, die verhindern, dass wir als Einzelne wenig Einfluss darauf nehmen können, siehe Wirtschafts-Finanzwelt. Daher bedarf es der Solidarität u. des Engagements vieler Menschen um hin zu kommen zu einer solidarischen Ökonomie und einer Wirtschaft der Fürsorge wie sie z.B. hier angesprochen wird:
http://www.bzw-weiterdenken.de/2013/05/d...-fursorge/

Da Fürsorge auch mit Selbstsorge zu tun hat, finde ich es wichtig, dass jedeR, die und der sich engagiert darauf achtet in welcher Weise und Haltung das geschieht.
Ich meine damit auch, dass die Empfindungen von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Trauer, Angst...... wahrgenommen werden müssen, damit sie sich nicht destruktiv gegen einen selbst oder andere Menschen richten.
Daher unterstütze ich mit unserer Grundeinkommens-Initiative hier vor Ort (Worms) auch den Aufruf http://friedenswinter.de mit einer Mahnwache und Trauergestaltung.
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