inoffizielles Themenforum für die ÖDP

Normale Version: ÖPNV - Tarifsystem
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Regelmäßig störe ich mich daran, dass oftmals Fahrkarten bezogen auf die Fahrstreckte zu teuer sind. Ursächlich verantwortlich dafür ist das Tarifzonensystem, das einst zur Vereinfachung eingeführt wurde, um den Dschungel an unzähligen Fahrkarten zu beenden.

Heute ist das gar nicht mehr nötig, dank der technischen Entwicklung.
Konkret ist es so, dass es passieren kann, dass man rd. 1 €/km für eine Busfahrkarte zahlen kann (Beispiel 2,2 km für 2,65). Sogar eine mittlere Strecke kann teuer sein. Beispiel 13,5 km für 5,30, somit 0,39 €/km.

Das ist alles deutlich jenseits des pauschalen km-Tarif, das bei Pkw-Fahrten hantiert wird.

Die Beispiele stammen aus dem Raum Aachen-Düren.

Eine Anfrage beim Verkehrsministerium NRW ergab Folgendes:
Zitat:Nach der aktuellen Rechtslage obliegt allerdings die Tarifhoheit im ÖPNV den Verkehrsunternehmen. Das Land hat hierauf keinen Einfluss. Käme es dennoch zu der von Ihnen vorgeschlagenen gesetzlichen Vorgabe, würde es umfassend ausgleichspflichtig.
Allerdings ist der von Ihnen kritisierte unterschiedliche km-Preis bei kurzen und langen Strecken im Grundsatz durchaus nachvollziehbar, da auch die km-Kosten aufgrund der gleichbleibenden Fixkosten -übrigens wie beim PKW- mit der Länge der Strecke sinken. Ob das Verhältnis dabei im Einzelnen gerecht erscheint, ist diskutabel, aber leider vom Land nicht ohne erheblichen finanziellen Aufwand zu beeinflussen!

"Ausgleichspflichtig". Das hört sich so an, als ob vernünftige Tarifierung nur möglich wäre, wenn die Subventionen wieder das Niveau von vor 10 Jahren erreichen würde. Meine Antwort dazu: dann muss das so sein. Schließlich ist ÖPNV Bestandteil der Daseinsvorsorge.

Generell aber gehört das grobe Zonensystem abgeschafft!
Durch das Tarifsystem blickt keiner mehr durch. Auch die Verkehrsbetriebe nicht. Ich einnere mich vor ein paar Tagen eine Sendung nebenbei verfolgt zu  haben, in der testweise Fahrkarten für Strecken gekauft wurden, die durch das Gebiet zweier Verkersverbünde führten. Chaos pur. Unterschiedliche Auskünfte je nach Verkehrsbetrieb. Unterschiedliche Preise. Und als Höhepunkt fuhren einige der Tester dann mit den bei der Beratung empfohlenen Tickets zeitweise schwarz!
Ich musste vor ein paar Wochen auch für einen Schulausflug ÖPNV-Tickets kaufen. Habe schließlich drei oder vier Telefonate geführt, bis ich alle Informationen hatte. Die Tickets habe ich dann online buchen müssen, da ich wahrscheinlich die Tickets vor Ort gar nicht hätte kaufen können (da hatte ich verschiedene Aussagen zu, bevor ich aber umsonst zum Hbf Düsseldorf fahre, druckte ich die Tickets dann lieber aus, übrigens musste ich für jede Gruppenkarte den Kaufvorgang erneut beginnen, da man nicht mehrere gleichzeitig kaufen konnte).
Das muss unbedingt besser werden!
Im VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) reicht es schon, weitere Strecken von z.B. 6 Tarifzonen zu fahren. Die Busfahrer (Fahrkartenverkäufer) wissen natürlich nicht auswendig, wie viele Tarifzonen es bis zu einem Ort in >10km Entfernung sind. Kann ich ihnen auch nicht übel nehmen. Aber ihre Kasse könnte das wissen…

Zitat:Schließlich ist ÖPNV Bestandteil der Daseinsvorsorge.
Definitiv.

Zitat:Generell aber gehört das grobe Zonensystem abgeschafft!
Warum? Kilometerpreise sind zwar auf den ersten Blick fairer, aber schwieriger zu berechnen (alternative Routen, …). Außerdem haben Zonen den Vorteil, dass die Planer bewusst Zonengrößen festlegen können um z.B. die Fahrten auf dem Land zu verbilligen.
Das Zonentarifsystem gehört in meinen Augen deshalb abgeschafft, weil mit der heutigen Technik auch im Bus ganz einfach eine Fahrkarte erzeugt werden kann von-bis (und der Fahrer muss nicht wissen, wieviel Zonen eine gefragte Strecke ist). Und so sollte gewährleistet sein, dass keine einzige Fahrkarte mehr als 0,25 €/km kostet. Sogar das finde ich eigentlich noch etwas zuviel, wenn man bedenkt dass eine Pkw-Fahrt, wenn alle Kosten auf die Fahrstrecke umgelegt werden rd. 0,30 betragen (wenn man den Betrag, der steuerlich geltend gemacht werden kann, zugrunde legt). Der wirkliche Pkw-fahrer sieht natürlich nur die variablen Kosten. Und die liegen deutlich unter 0,30.

Wenn uns in Deutschland die Förderung des ÖPNV auch aus Umweltgründen etwas wert ist, sollten die km-Preise tatsächlich niedrig genug sein. Nichts dagegen, wenn wir für jede ÖPNV-Fahrt ein Sockelbetrag von sagen wir mal 1 € pro Fahrt haben, damit eine gewisse Entfernungsabhängigkeit drin ist, aber mehr auch nicht.
Ein Auto dass 5 Liter auf 100 km verbraucht - solche Exemplare gibt es ja schon - würde pro Kilometer 7.5 Cent kosten. Nehmen wir im Nahbereich den doppelten Verbrauch an, sind es 15 Cent. Ein Auto mit einem Verbraucg von 10 Litern würde demnach zwischen 15 und 30 Cent pro Kilometer kosten. Aber in das Auto passen 5 bis 9 Personen rein. Gut, da die meisten Autos nur mit einer Person besetzt sind und der Energieverbrauch bei einem gut besetzten Auto pro Personenkilometer gar nicht so schlecht ist, müsste man schon viel erreichen, wenn man wenigstens für die vielen Alleine- Fahrer einen guten Tarif einführt. Und beim Bus gilt das Argument der teuren kurzen Strecke nicht, da die Busfahrstrecke unabhängig ist von der Fahrweite der Fahrgäste und der Motor dort im Dauerbetrieb arbeitet und nicht für jeden Fahrgast ein- und Ausgeschaltet wird. Insofern sind die teuren Tickets für die erste volle Zone (es gibt darunter ist die "Kurzstrecke") nicht gerechtfertigt. 

Aber das Problem ist, die Verkehrsbetriebe müssen sich finanzieren. Und da gilt, die meisten Fahrgäste fahren nur innerhalb einer Zone, eine größere Gruppe über zwei Zonen und nur eine Minderheit fährt darüber hinaus. 

Und dann kommt hinzu, dass mehr als 2/3 der ÖPNV- Kunden Zeitkarten nutzen. Es wäre mal interessant zu prüfen, wieviele Gelegenheitsfaahrgäste es im Bus mehr gäbe, würde mann die Fahrpreise jeder Fahrt auf Zeitkartenniveau senken. 

Oder man sagt sich, der ÖPNV ist für alle frei und wird von allen bezahlt. Aber das Pro und Contra kann in einem anderen Thema diskutiert werden. 

Neben der Sorge um die Finanzierung bei den Verkehrsproblemen kommt da noch das Problem der Prestigeprojekte hinzu. U- Bahn und Hochgeschwindigkeitsstrecken wurden gebaut, aber es erfolgt keine Abschreibung und Rücklagenbildung. Im Ruhrgebiet sind so ganze Stadtbahnnetze gefährdet. Und wenn die vielen Brücken und Tunnel der Neubaustrecken in die Jahre kommen, werden wir ähnliche Probleme haben. 

Ist es da ein Wunder, wenn die Verkehrsbetriebe an den sicher erscheinenden Fahrgeldeinnahmen hängen, weil diese immer in Sorge sind, der Staat könnte weitere Mittel einsparen?
Kommt noch hinzu, dass viele größere Städte noch Stadtwerke mit Stromnetzen haben und damit im Querverbund den ÖPNV betreiben. Als es noch ein Strommonopol gab, von dem auch die Stadtwerke profitierten, die ihre Versorgung behalten hatten, konnte man zugunsten des ÖPNV die Strompreise etwas anheben. Heute drückt der Wettbewerb auf die Strompreise und es bleibt oft weniger über für den ÖPNV. 

Im Prinzip müssten die Kommunen mit Querverbund Energie- Verkehr nun die Steuern und Abgaben erhöhen, um das Geld herein zu bekommen, dass diese früher über den Strom bekamen. Oder sie fahren auf Verschleiß. So zeigt sich hier, dass eine vermeintliche Preissenkung in Wirklichkeit gar keine ist und man wegen der Lebensdauer von Anlagen man höchstens Probleme in die Zukunft verschieben kann.
Zitat:Im Ruhrgebiet sind so ganze Stadtbahnnetze gefährdet. Und wenn die vielen Brücken und Tunnel der Neubaustrecken in die Jahre kommen, werden wir ähnliche Probleme haben.

Ist es da ein Wunder, wenn die Verkehrsbetriebe an den sicher erscheinenden Fahrgeldeinnahmen hängen, weil diese immer in Sorge sind, der Staat könnte weitere Mittel einsparen?

Und wenn da keine Rücklagen gebildet werden, kann man die Instandsetzungen gar nicht mit Fremdfinanzierung durchführen weil Instandhaltung keine Rendite erzeugt, sondern nur verhindert, dass Rendite wegfällt. Ein Aspekt, auf den ein Forenschreiber woanders hinwies. Das erklärt für meine Begriffe zu einem Teil, warum letztlich soviel auf Verschleiß gefahren wird.

Und dann die Verkehrsbetriebe... War es überhaupt eine gute Idee gewesen damals, diesen zu privatisieren? Alles, was Gewinn machen "will" kostet definitionsgemäß extra. Wettbewerb kann es nicht sein, weil jedes Busunternehmen eine gewisse "eigene" Region bedient.

Zitat:Aber das Problem ist, die Verkehrsbetriebe müssen sich finanzieren. Und da gilt, die meisten Fahrgäste fahren nur innerhalb einer Zone, eine größere Gruppe über zwei Zonen und nur eine Minderheit fährt darüber hinaus.

Sind da irgendwo Zahlen verfügbar bzw. abrufbar?
Nahverkehr vor dem Kollaps! Jetzt rächt sich der Tunnelbau und dass man die oberirdischen Linien abgebaut hat. https://www.youtube.com/watch?v=-yL6TaF0IMM
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