inoffizielles Themenforum für die ÖDP

Normale Version: ÖDP-Stammtisch in Aachen zur Europawahl
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Zitat:Stammtisch in Aachen zur Europawahl
Freitag, 7. Febr., 19 Uhr

Der ÖDP Kreisverband lädt zu seinem monatlichen Stammtisch in Bistro der Städteregion, Zollernstr. 14 in Aachen ein. U.a. geht es um das Thema: Wollen wir einen "Europäischen Bundesstaat" oder ein "Europa der Vaterländer"?

Quelle:
http://www.oedp-aachen.de/aktuelles/pres...uropawahl/
Interessantes Thema, würde auch gern hinfahren, werde es aber wohl aus zeitlichen Gründen nicht schaffen. Sad
Hinfahren? Das ist in vielen Fällen tatsächlich ein Problem.

Aber dafür ist ja ein Forum da. An anderen Stellen in diesem und dem alten Forum wurde die Problematik hin und wieder thematisiert; dass die Mitgliederdichte außerhalb Bayerns ein echtes Problem betreffend der Durchführung von Stammtischen darstellt, und ein Forum eine gute Alternative für die "Diaspora" darstellt. Oder Facebook, aber soweit ich das beurteilen kann ist Facebook weniger geeignet, nach Themen sortiert zu diskutieren. Wenn überhaupt, sind (ich spreche für den KV Aachen) sehr, sehr selten Gäste "einfach so" dabei, weil sie eine Pressemitteilung gelesen haben.

Inhaltlich: Ich bedaure es, dass das Wort "Vaterländer" in der Terminankündigung aufgetaucht ist. Besser wäre es in meinen Augen, etwas neutraler "Europa der Nationen", oder noch besser - an der üblichen Sprachregelung in diesem Disput orientiert: "europäischer Staatenbund" zu schreiben. Letzteres passt worttechnisch gut als Gegenbegriff zu "Euopäischen Bundesstaat".

Ich votiere für den Staatenbund, wobei ich anmerke, dass ein großer Staatenbund sehr wohl aus kleineren Einheiten zusammengesetzt sein kann. Viele separatistische Bewegungen in Europa (bsp. Schottland, Katalonien, Bayernpartei) schöpfen auch gerade ihre neue Motivation daraus, dass sie "Geborgenheit" wie ein kleiner Fisch in einem großen Schwarm werden finden können.
Dazu passt die Idee, dass es relativ sinnlos ist, aufstauender Dampf nicht entweichen zu lassen, und aus welchen Motiven auch immer Regionen keine Autonomie gewähren zu lassen. Regionale Identität "unterdrücken" ist noch nie Erfolg beschieden.
(05.02.2014 20:06)rjmaris schrieb: [ -> ]Inhaltlich: Ich bedaure es, dass das Wort "Vaterländer" in der Terminankündigung aufgetaucht ist. Besser wäre es in meinen Augen, etwas neutraler "Europa der Nationen", oder noch besser - an der üblichen Sprachregelung in diesem Disput orientiert: "europäischer Staatenbund" zu schreiben. Letzteres passt worttechnisch gut als Gegenbegriff zu "Euopäischen Bundesstaat".

Das ist eine Anlehnung an eine Aussage und Position von Charles de Gaulle.
Zitat:Der Franzose de Gaulle sei, so hieß es, ein schlechter Europäer. Daran ist, sieht man es mit den Augen der leidenschaftlichen Europa-Konstrukteure, vieles wahr. De Gaulle will die Integration nicht, er verficht die Konzeption vom „Europa der Vaterländer“, das er seit neuestem das „Europa der Staaten“ nennt.

Quelle: http://www.zeit.de/1962/21/absage-an-charles-de-gaulle

Zitat:"Nation (vor dem 14. Jahrhundert ins Deutsche übernommen, von lat. natio, „Geburt, Herkunft, Volk“) bezeichnet größere Gruppen oder Kollektive von Menschen, denen gemeinsame kulturelle Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten, Gebräuche oder Abstammung zugeschrieben werden."
Zitat:Der Nationsbegriff hat Bedeutung für den juristischen und den politischen Bereich. So kann sich eine Nation auf das überstaatlich organisierte Völkerrecht berufen, das häufig als „internationales Recht“ bezeichnet wird, eine ethnische Gruppe dagegen nur auf Minderheitenschutz.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nation

Zitat:Vaterland ist die Bezeichnung für das Land, aus dem man selbst bzw. die Vorfahren stammen und in dem sich ein Mensch verwurzelt fühlt, in dem meistens verwandtschaftliche Beziehungen bestehen und häufig emotionale Erfahrungen in der individuellen Entwicklung gemacht wurden, welche mit diesem Land verbunden werden. In der Geschichte wie Gegenwart wurden oder werden die Gefühle, welche Menschen ihrem Vaterland entgegenbringen, oder die übliche Identifikation von Menschen mit ihrem Heimat- bzw. Vaterland manchmal durch politische Ideologien benutzt, um eine Feindschaft zu anderen Menschen und deren Vaterländern zu begründen (etwa im Krieg oder bei innenpolitischer Instabilität).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vaterland

"Europa der Staaten" gefällt mir prinzipiell besser als das "Europa der Vaterländer" und "Europa der Nationen", es fehlt ihm aber eine emotionale Komponente.
Im verlinkten Wikipedia-Artikel gibt es ganz oben einen Hinweis, dass in jedem Artikel Vaterland im Sinne von Heimat betrachtet wird. Das ist auch in Ordnung so, im betreffenden Link dazu heißt es: Vaterland, patriotische Heimatbezeichnung.

Das Problem: Heimat und Vaterland werden gemeinhin nur von konservativen Kreisen so benannt, und das ist auch OK, aber... im politischen Diskurs sollte man diese Begriffe spärlich nutzen, weil es rechte Assoziationen hervorrufen kann.

In ähnlichem Sinne gilt es auch für die Benutzung der deutschen Flagge. Flagge zeigen ist in einem nicht-parteipolitischen Zusammenhang ganz OK, z.B. beim Nationalfeiertag der deutschen Einheit, oder ganz ungezwungen im Rahmen einer großen Sportveranstaltung (z.B. Fußball-WM).
Eine Flagge z.B. bei parteipolitischer Werbung einzusetzen halte ich für falsch. Da ist auch meine Parallele zum Thema Vaterland, oder "Europa der Vaterländer".

Es ist richtig, dass bei einem Europa der Nationen die emotionale Komponente fehlt. Aber wenn es keine bessere Bezeichnung gibt, die auch eine emotionale Komponente vermittelt, ist die "sachliche" Alternative m.E. zu bevorzugen.

Noch etwas: in der Zeit de Gaulles war die Lage anders. Für seine Generation war die Begrifflichkeit weit "normaler" als es heute ist.
Zur Diskussion um das Thema "Vaterland". 
Gerade die ÖDP sollte diesen Begriff verwenden- allein schon um sich von den Grünen zu unterscheiden. Für meine Pressemeldung habe ich bewusst auf diesen Begriff zurückgegriffen: Will die ÖDP denn nicht gerade auch ein konservatives Spektrum ansprechen?
Zur Verwendung der Fahne bei Parteiveranstaltungen:  Das sehe ich ganz anders als Rob.
Gerade das massenhafte auftreten der grölenden (und oft besoffenen) Menge mit Schwarz-Rot -Gold  bei Sportveranstaltungen nervt mich seit langem. Hier sind die Fahnen wohl am schlechtesten denkbaren Platz.
Was ist das für ein "Patriotismus", der sich nur hierin zeigt? 

Bezeichnend ist ja auch, dass man diese Fahnen gerade nicht am Tag der Einheit sieht- außer an staatlichen Einrichtungen.
Fragt die Leute mal, woher diese Farben kommen, welche Bedeutung diese Fahne z.B. im Jahr 1848 hatte - Ihr werdet Euch wundern!
Hierbei sei übrigens angemerkt, dass die Fahne oft auch noch mit dem Adler in der Mitte geschwenkt wird. Diese Verwendung der Fahne ist nur staatlichen Stellen vorbehalten- z.B. Dienstflagge der Bundeswehr- und hat bei privaten Anlässen gar nichts zu suchen.
Gerade bei Parteitagen u.a. Anlässen, bei denen es um die Gestaltung der Demokratie geht, da hat eine Fahne ihren Platz.
So ja z.B. auch in den Sitzungssälen der Rathäuser etc.
Was spräche denn dagegen, bei einem Landesparteitag die Landesflagge (ohne Wappenschild - siehe oben) an der Wand aufzuhängen?  Sollten die Demokraten denn Schwarz-Rot-Gold den Neonazis überlassen?  Das wäre ja wohl das dümmste, was man machen könnte.
Leider war es ja auch vor 1933 so, dass die demokratischen Parteien
den Nazis den Patriotismus überlassen haben - zumindest ist bei vielen Wählern damals dieser Eindruck entstanden.
Der Erfolg der Nazis ist wohl auch hierauf zurückzuführen- nicht nur auf die hohe Arbeitslosigkeit.
Hallo Arno, ich kann verstehen, dass dir die sportrelatierte Fahnenkultur nervt. Ich finde es zumindest auch übertrieben. Beispielsweise fähnchen an Autos oder in SRG gekleidete Seitenspiegel.

Ich nehme mal Bezug auf die WM2006. Meine Frau hatte damals gesagt, dass Deutschland sich "endlich" von einer verkrampften Beziehung zur Nationalfahne gelöst hat. Wenn diese "Diagnose" zutrifft, sollte man Übertriebenes vorübergehend - nun ja - billigend in Kauf nehmen. Vielleicht eine Nachhol-Reaktion. Dieses "Lösen" hat sie wohl in Verbindung gebracht mit Deutschlands schwierige Vergangenheit.

Ich würde es begrüßen, wenn die Deutschen eine Fahne aushängen würden, wenn Tag der Deutschen Einheit ist. Es muss ja nicht so sein, dass Fahnen nur in Monarchien eine Rolle spielen. Gleichwohl muss man sagen: die "Infrastruktur" für Fahnen fehlt bei Privatleuten. In Holland ist es z.B. so, dass man in vielen Gärten Fahnenmasten sieht, und oft gibt es auch an Fassaden Sockel für kleinere Fahnenstöcke. Entsprechend habe viele Haushalte eine (größere) Flagge.

Ich denke, dass es nicht dazu kommen wird, dass hier eine Art Infrastruktur im obigen Sinne aufgebaut wird. Irgendwer muss das ja triggern.


"Sollten die Demokraten denn Schwarz-Rot-Gold den Neonazis überlassen?", sagst du, quasi als Begründung, um bei Landesparteitagen Fahnen aufzuhängen. Ich weiß es nicht. Wenn, dann eher, wenn es Usus würde bei den Parteien. Ich gebe zu bedenken, dass ich nicht wüsste, dass in einem "fahnenfreundliches" Land wie Holland Landesfahnen auf Parteitagen hingen.

Ähnlich sehe ich das bei Infoständen. Da sollte m.E. keine Landesfahne schwenken.
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